Die wundersame Geschichte der Faye ArcherChristoph Marzi – Die wundersame Geschichte der Faye Archer

Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (12. August 2013)
ISBN-13: 978-3453529922

Inhalt:
»Geschichten sind wie Melodien!« Mit diesen Worten verzaubert Alex Hobdon die junge Buchhändlerin Faye Archer vom ersten Augenblick an. Als er sein Skizzenbuch in ihrem Laden vergisst, tut Faye etwas völlig Untypisches: Sie schreibt Alex über Facebook an, und aus ein paar kurzen Chats entwickelt sich eine berührende Liebesgeschichte. Doch dann erfährt Faye, dass Alex ein Geheimnis verbirgt, das so unglaublich klingt, dass es eigentlich nur wahr sein kann, und Faye muss sich entscheiden, ob ihre Liebe zu Alex stark genug ist, dieses Geheimnis zu teilen…

Kritik:
“Die wundersame Geschichte der Faye Archer” habe ich beim Stöbern im Heyne Verlag entdeckt. Das Cover sprach mich an, und auch der Satz “Manche Geschichten sind wie Melodien.” hat mich auf irgendeine Art angezogen. Freundlicherweise stellte der Verlag mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung, und als es dann mit der Post kam, hab ich zunächst einmal den Einband bewundert, der für meinen Geschmack schlicht, aber wahnsinnig schön gestaltet ist und – im Nachhinein betrachtet – auch wahnsinnig gut zum Inhalt passt. Ich war verliebt in ein Buch, wenn man so will. Aber leider kann man die Qualität eines Buches nicht an seinem Einband messen, sondern in erster Linie am Inhalt. Und in den war ich dann leider nicht mehr ganz so verliebt.

Die Geschichte, um die es geht, hat mich – je länger ich gelesen habe, desto mehr – an die Geschichte von dem Film “Das Haus am See” mit Keanu Reeves und Sandra Bullock erinnert. Wer den Film gesehen hat, wird wissen, worum es geht. Faye Archer ist eigentlich Musikerin und tritt hin und wieder in einem kleinen Club unter dem Namen Holly Go! auf. Doch hauptberuflich arbeitet sie im Buchladen eines Shaolin Mönches. Alles, was Faye sagt und tut, sieht und hört, spielt sich in Melodien und Tönen in ihrem Kopf ab. Eines Tages kommt Alex Hobdon in den Buchladen und wird von Mica Sagong, ihrem Chef, bedient. Sie belauscht die beiden aus dem Hinterzimmer, und der Satz “Manche Geschichten sind wie Melodien.” berührt etwas in Faye, das sie nicht richtig erfassen kann. Aber es lässt sie nicht mehr los. Und so sucht sie bei Facebook nach Alex Hobdon, findet ihn, und sie schreiben sich Mails. Ja, man könnte sagen, sie verlieben sich ineinander. Doch dann findet Faye heraus, dass Alex offenbar in vielen Dingen gelogen hat. Als sie ihn dann auch noch mit einer anderen Frau auf der Straße sieht, ist sie wütend und enttäuscht, und das lässt sie ihn via Mail auch wissen. Allerdings ist Aex zunehmend verwirrt und weiß nicht, wovon Faye da spricht. Als sie das nächste Mal aufeinandertreffen, wird es zunehmen verwirrend und kompliziert. Nicht einmal Fayes beste Freundin Dana scheint ihr helfen zu können. So weit, so gut. Ich will nicht zu viel vorweg nehmen, um nicht zu sehr zu spoilern. Die Geschichte an sich ist sehr spannend. Sie beginnt zwar träge und schwerfällig, nimmt aber zunehmend an Tempo auf und kommt in Fahrt.

Allerdings hat der Autor einen sehr detaillierten Stil, so dass schon einmal einige Seiten ins Land gehen, ohne dass wirklich etwas passiert. Auf diesen Seiten wird allzu deutlich auf Kleinigkeiten eingegangen. Auf der anderen Seite ist es jedoch auch diese Detailtreue, die ein zauberhaftes Bild von Brooklyn im Herbst, abseits des pulsierenden Manhattan, für den Leser zeichnet. Man ist also hin und her gerissen, zwischen dem Wunsch, einige Seiten zu überfliegen und sie doch zu lesen, denn man ist an manchen Stellen ein wenig gelangweilt, will aber auf der anderen Seite auch nichts verpassen. Dieser Umstand macht es einem schwierig, wirklich zu sagen, man liebt das Buch oder ist genervt davon. Man tingelt zwischen dieser Meinung und jener, und ähnlich wie Faye Archer treibt man die ganze Zeit hilflos dazwischen. Was mich auch ein wenig gestört hat, war die Durchschaubarkeit der Geschichte. Schon als Faye Alex mit einer anderen Frau sieht und anhand seiner Reaktionen, kommt einem ein Verdacht, der leise aufkeimt, sich aber immer mehr erhärtet und mit dem man am Ende auch richtig liegt. Es beibt spannend, aber dennoch hätte ich mir weniger Transparenz gewünscht. Und das Ende…tja, das Ende. Es ist das absehbare Ende, allerdings hat Christoph Marzi dann doch noch eine Wendung eingebaut, die man so nicht erwartet hat, und die für mich auch nicht nachvollziehbar ist und übertrieben wirkt.

Leider mangelt es dem Roman auch an wirklich sympathischen Charakteren. Das Hauptaugenmerk liegt auf Faye Archer, und sie ist durchaus eine nette Protagonistin. Sie liebt altmodische und alte Dinge, hat eine Abneigung gegen Computer und Handy, trägt ausgefallene Kleidungskombinationen, und das alles macht sie irgendwie liebenswert. Auch dass sie sich scheinbar nicht beeinflussen lässt, kommt positiv an. Und obwohl man ein gewisses Verständnis dafür aufbringt, dass ihr ganzes Leben eine Melodie zu sein scheint, geht einem doch genau das manchmal ein bißchen auf die Nerven, so dass man sie doch nicht so ganz und gar liebgewinnen kann. Alex Hobdon bleibt – obwohl einer der beiden Protagonisten – seltsam oberflächlich, aber das ist vielleicht so gewollt, um der Spannung keinen Abbruch zu tun, allerdings verhindert das auch, dass man sich wirklich in ihn hineinversetzen kann. Zum Ende hin schafft er den Schmachteffekt dann aber dennoch, wobei man auch bewundernd erwähnen muss, dass er so hartnäckig bleibt. Mica Sagong, der Shaolin Mönch und Fayes Chef im Buchladen, bleibt leider völlig gesichtslos. Normalerweise hat man das Bild einer Figur vor Augen, aber leider erzeugte Mica kein solches, obwohl er ständig Mr.-Miyagi-Weisheiten von sich gab, aber für diesen Zweck schien er auch ausschließlich da zu sein. Fayes beste Freundin Dana Carter hingegen bekommt tatsächlich ein Gesicht, und ja, man findet sie ganz nett. Vielleicht ist die Wendung am Ende deswegen so unglaubwürdig. Mal im Ernst: welche beste Freundin – Achtung, kleiner Spoiler! – rächt sich denn bitte nach vier Jahren so sehr dafür, dass die Freundin einen Mann bekommen hat, den sie auch wollte? So tief kann die Freundschaft dann ja nicht gewesen sein. Die anderen Nebencharaktere sind leider nur Randfiguren, die man schnell wieder vergisst. Warum zum Beispiel Ian Hedges überhaupt erwähnt wurde, frage ich mich ernsthaft.

Fazit:
6“Die wundersame Geschichte der Faye Archer” ist ein zauberhafter, kleiner Roman, der von dem kleinen Geheimnis, das Alex und Faye umgibt, den Bilder von Brooklyn und der Musik lebt, aber leider hat er viele Schwächen in den Charakteren und der Geschichte. Am Ende kann man sich gar nicht so richtig entscheiden, ob man das Buch mag oder nicht, aber emfehlen würde ich es vielleicht dennoch. Vielleicht würde ich – wegen der ähnlichen Thematik – aber auch eher empfehlen, sich auf das Sofa zu kuscheln, eine heiße Kakao und Schokolade in Händen und sich “Das Haus am See” anzusehen.

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Ela

Die Cheffin bei www.review-corner.de
Ich bin Ela, 34 Jahre alt und sozusagen die Justizia des Blogs. Ich sorge für ein wenig Ausgleich, indem ich Frauen- und Jugendromane sowie Filme aus der ähnlichen Sparte rezensiere. Von mir kommen also quasi die Rezensionen zu den Filmen und Büchern mit Stil und Anstand. Oder so. :)