Lovesong for Bobby LongLovesong for Bobby Long (USA 2004)
OT: A Love Song for Bobby Long

Regie: Shainee Gabel

Darsteller: John Travolta, Scarlett Johansson, Gabriel Macht, u.a.

Laufzeit: 120 Minuten
Freigabe: FSK 6

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Inhaltszusammenfassung:

Als sie vom Tod ihrer Mutter Lorraine erfährt, kehrt Purslane Hominy Will nach langer Zeit zurück in ihre Heimatstadt New Orleans. Doch ihre Heimkehr verläuft für die 17-Jährige ganz anders als erwartet. Erst verpasst sie das Begräbnis um einen Tag. Dann stellt sie fest, dass sich der Familiensitz, ein einfaches Holzhaus am Stadtrand, in eine heruntergekommene Bruchbude verwandelt hat. Und zu allem Überfluss muss sie sich auch noch mit zwei fremden Männern arrangieren, die sich im Haus eingenistet haben: mit dem in die Jahre gekommenen Ex-Literaturprofessor Bobby Long und seinem Schützling Lawson Pines. Pursys Mutter hat den Dreien das Haus zu gleichen Teilen vermacht, und so entsteht eine unfreiwillige Wohngemeinschaft. Pursy bringt das Domizil nach und nach auf Vordermann – und ist ziemlich genervt von den beiden Männern, die sich als Bohemiens gebärden und behaupten, sie arbeiteten an einem Buch über Bobbys Leben, tatsächlich aber einen feucht-fröhlichen Müßiggang kultivieren. Doch ganz allmählich bildet sich eine eigenwillige Freundschaft zwischen der aufgeweckten Pursy und ihren Mitbewohnern. Und je besser sie sich mit Bobby und Lawson versteht, desto näher kommt sie den bittersüßen Geheimnissen, die ihre alte Heimat für sie bereit hält.

Kritik:

Lovesong for Bobby Long ist einer diese Filme, die schon längst auf DVD erschienen waren, ehe ich überhaupt auf ihn aufmerksam wurde. Lange Zeit habe ich in der Videothek einen Bogen um das Cover gemacht, es immer wieder in der Hand gehabt und dann doch wieder weg gestellt. Warum? Ich weiß es nicht. Ich hab vorher überhaupt nichts von dem Film gehört, weder in negativer noch in positiver Hinsicht. Und dann googelte ich eines Tages wegen Gabriel Macht, den ich sehr mag, durch die Gegend und siehe da: Moment mal, den Film hatte ich doch schon gefühlte fünfzehn Mal in Händen. Also griff ich das nächste Mal in der Videothek zu, und ich habe es nie bereut, stellte sich der Streifen doch – für mich – als echte Perle raus, wurde an dem Wochenende gleich vier Mal gesichtet und wanderte schließlich in die Liste meiner Lieblingsfilme. Zeit, eine Rezension zu schreiben.

Lovesong for Bobby LongFangen wir also wie immer mit der Geschichte an. Pursy hatte kein gutes Verhältnis zu ihrer Mutter, lebt in einem Trailer und kellnert. Viel zu spät erfährt sie vom Tod ihrer Mutter und kommt dementsprechend auch zu spät zur Beerdigung in ihrer Heimatstadt New Orleans. Doch damit nicht genug, denn als Pursy das Haus betritt, in dem sie aufgewachsen ist, findet sie dort Bobby Long und Lawson Pines vor, beide abgewrackt und versifft und augenscheinlich ständig betrunken. Laut den Angaben der beiden hat ihre Mutter das Haus ihnen und Pursy zu gleichen Teilen vererbt. Pursy muss sich also wohl oder übel mit den beiden arrangieren. Angeblich arbeiten sie an einem Buch über Bobby Long, aber tatsächlich sieht es so aus, als würden sie nichts tun als sich betrinken und mit literarischen Zitaten um sich werfen. Immer wieder geraten besonders Pursy und Bobby aneinander, aber mit der Zeit lernen alle drei einander lieben und respektieren. Ich gebe zu, die Geschichte an sich klingt nicht besonders aufregend, und offen gestanden ist sie das auch nicht. Ja, richtig gelesen. Einen Spannungsbogen oder besonders aufregende Momente wird man in dem Streifen vergeblich suchen. Aber genau das ist es auch, was völlig deplatziert gewirkt hätte.

Lovesong for Bobby LongDenn der Film lebt von den leisen Dialogen und der Trägheit und Schwere der Kulisse, die sich auch auf die Charaktere und die Atmosphäre niedersenkt. Man wird quasi eingesogen von der schwerfälligen und doch bunten Lebensart in New Orleans, wobei hier auch darauf verzichtet wird, die laute und schrille Seite der Stadt zu zeigen, und man sich darauf beschränkt, vielmehr das Leben des einfachen Mannes aufzudecken. Und das gelingt ganz fantastisch. Die Bilder sind eher trist, aber dennoch voller Leben, und zwar einem Leben, mit dem man sich selbst ganz wunderbar identifizieren kann. Nicht weil man keine Perpektive hat oder abgebrannt ist – auch wenn das sicher auch dem ein oder anderen von uns schon passiert ist -, sondern weil man mit den Charakteren, die alle ihr großes oder kleines Drama teilen, ganz wunderbar harmoniert, weil es einfach nicht nach typischer Hollywood-Manier völlig überzogen wirkt. Selbst die Liebesgeschichte, die sich nebenbei abspielt, wirkt nicht aufgedrückt, sondern bleibt ein Nebenstrang, dem nicht zu viel Bedeutung beigemessen wird, an dem man sich aber dennoch erfreuen kann. Geschichte, Bild, Figuren und musikalische Untermalung, das alles hat hier einen wunderbaren und nicht erschlagenden Einklang.

Lovesong for Bobby LongDie Darsteller machen ihre Sache gut. Nun muss ich vorher sagen, dass ich eigentlich kein Fan von John Travolta oder Scarlett Johansson bin. Aber insbesondere die Leistung von John Travolta muss man hoch loben. Den abgehalfterten, studierten, versoffenen Dandy gibt er einfach perfekt. Zu jeder Zeit kauft man ihm die Rolle ab, die er hier spielt, und obwohl er auch die ätzende Seite an Bobby Long rüber bringt, kann man gar nicht anders, als sowohl den Charakter als auch den Darsteller dafür zu lieben. Es gelingt ihm auch gut, Gabriel Macht nicht an die Wand zu spielen, der seinem Lawson mit seiner Mimik und Gestik durchaus aber die Tiefe verleiht, die er benötigt. Und auch Scarlett Johansson brilliert in ihrer Rolle als Pursy, der bockigen Göre, die doch noch erkennt, dass sie aus ihrem Leben was machen und von den beiden Männern lernen kann. Auch wenn das Aussehen der Figur eher blass und farblos ist, verleiht Scarlett Johansson Pursy Farbe von innen heraus. Die Nebendarsteller bleiben leider ein wenig hinter den drei Protagonisten zurück, doch das ist nicht weiter tragisch, denn sie sind eben nur Randfiguren. Mit der Besetzung, das kann man ruhig so sagen, hat man hier also auch alles richtig gemacht, und trotz meiner eingangs genannten Antipathien kann ich mich nicht vorstellen, wie man die Rollen anders hätte besetzen können und wollen.

Fazit:
10Lovesong for Bobby Long ist eine echte Perle, wenn man sich auf die Geschichte, die Charaktere und die Bilder einlässt. Keine Spannung, keine Special Effects, keine aufgedrückten Hollywood-Stempel, dafür aber wunderschöne und triste Bilder, sympathische Charaktere, pointierte, knappe Dialoge und eine leise Geschichte machen den Film wahnsinnig liebenswert und wunderschön. Wer einen Hollywood-Kracher erwartet, ist hier falsch. Wer sich jedoch in seine Decke kuscheln, schmunzeln und ein bißchen grübeln will, der ist hier goldrichtig. Ich kann den Film nur weiter empfehlen.

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Ela

Die Cheffin bei www.review-corner.de
Ich bin Ela, 34 Jahre alt und sozusagen die Justizia des Blogs. Ich sorge für ein wenig Ausgleich, indem ich Frauen- und Jugendromane sowie Filme aus der ähnlichen Sparte rezensiere. Von mir kommen also quasi die Rezensionen zu den Filmen und Büchern mit Stil und Anstand. Oder so. :)